Mein Motto für 2026: Putzen tut gut!

In der letzten Stunde vor Weihnachten lasse ich meine Yogaschüler immer eine Mudrakarte ziehen. Jede Karte zeigt ein Mudra, also eine Hand- und Fingerhaltung, die – regelmäßig geübt – eine bestimmte Wirkung auf Körper und Seele hat. Es gibt Mudras gegen Stress, für geistige Frische oder für Mut… Mir gefällt, wie eine schlichte Karte ein Impuls sein kann für Reflexion und Gespräche. Und ja, irgendwie passt es immer.

Zu Weihnachten nun habe ich selbst eine Karte gezogen, auf der stand: putzen tut gut! Ich habe erst einmal herzhaft gelacht. Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass putzen nicht gerade meine Stärke ist. Nicht falsch verstehen – im Grunde meines Herzens bin ich ein super ordentlicher, aufgeräumter und strukturierter Mensch. Das sieht man in meinem Außen allerdings nicht immer als erstes. Ordnung und Sauberkeit sind sehr energiereiche Zustände, das ist nichts, was von alleine geschieht. Und da ich keine Duracell-Hasen-Persönlichkeit habe, ist aufräumen und putzen oft ein Bereich, wo ich dann mal gut 5 gerade sein lassen kann, sobald eine Grundordnung hergestellt ist (Boden gesaugt, Wäsche gewaschen, sauberes Bad, Geschirr gespült). Wahrscheinlich hilft, dass ich sehr kurzsichtig bin und Staub nicht so schnell sehe. Und solange ich mich im Chaos auskenne, ist alles gut.

Meine Beziehung zum Putzen

Aufgewachsen bin ich anders – in meiner Familie war Samstag immer Großputztag. Wir Kinder durften aussuchen: Gehweg fegen (hat ewig gedauert, aber der Straßenstaub war so schön fein), Außentreppe nass aufwischen (ekliger nasser kalter Putzlappen), Badezimmerspiegel mit Ajax putzen (streifenfrei!), Wohnzimmermöbel mit Poliboy polieren (der Geruch!). Als wir irgendwann eigene Zimmer hatten, mussten die wöchentlich abgestaubt werden – furchtbar aufwändig, aber hinterher war es schön.

Meine Mutter hat in der Zwischenzeit und oft bis spät in die Nacht alles andere gemacht, inklusive wöchentlichem Küche abwaschen. Da saßen wir dann schon längst in der Badewanne und danach vor dem Fernseher, mit Bud Spencer oder Thomas Gottschalk. Ich glaube, sie war oft sehr erschöpft. Und dann hat sie vor sich hingeschimpft und damit wieder Energie freigesetzt, um weitermachen zu können.

Das ist nun leider etwas, was ich übernommen habe: Wenn es richtig gemacht werden muss, weil es nun doch zu viele Fingerabdrücke auf der Kühlschranktür sind oder die Weberknechte überhand nehmen, dann arbeite ich mich in Rage. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz über meine unordentliche Familie und die Ungerechtigkeit, dass niemand außer mir (!) irgendetwas im Haushalt tut, ich mache Krach und laut Musik und alle verkriechen sich und gehen mir aus dem Weg (oder erfüllen – wenn ich nicht zu unfreundlich war – Arbeitsaufträge, um nicht noch mehr Unmut auf sich zu ziehen). Zum Glück kennen mich mein Mann und meine Kinder und sind nicht nachtragend. Und zum Glück weiß ich, dass es blöd ist, schlechte Stimmung zu verbreiten. Seit einigen Jahren gebe ich mir Mühe, anders an die Sache heranzugehen. Podcast hören hilft ungemein. Oder Musik, zu der ich mitsingen kann und die nicht zusätzlich aufwühlt. Und irgendwann kommt immer der Moment, an dem es Spaß macht, an dem man Ergebnisse sieht (und ein Ende!), und dann bin ich doch auch ganz zufrieden mit mir und meinem Werk.

Es ist aber eben auch so, dass Wut Energie freisetzt, die sonst nicht leicht anzuzapfen ist, und manchmal ist es immer noch so, dass ich nur mit Wut und Ungeduld einen Anfang finde.

Meine Orakelkarte

Und nun das: Putzen tut gut! Warum ziehe ich ausgerechnet diese Karte?! Ich drehe sie um und lese:

Foto der Rückseite der Mudrakarte für den Darm mit dem Beschreibungstext. Karte lehnt an einer Blumenvase.
Aufnehmen und Abgeben – das sind die Hauptaufgaben des Darmes. Was nehme ich mit, was lasse ich los? Das sind die wichtigen Fragen für 2026.

Darm-Mudra

Diese Mudra lindert Bauchkrämpfe und regt Dick- und Dünndarm an.

Wenn wir unser Seelenfenster regelmäßig putzen, ist die Sicht klar; und nur wenn wir klar sehen, ist unser Leben wirklich schön. Das heißt, dass wir Trübes aus unserer Vergangenheit wegputzen; klären und vergeben, wo es nötig ist. Großzügige Vergebung ist etwas sehr Beglückendes und zieht Wunder wie ein innerer Magnet in unser Leben. Ich spreche aus Erfahrung. Sie lassen im Geiste Menschen und Situationen an Ihnen vorbeiziehen und lassen Schmerzendes und Negatives los.

Innere Freiheit, Frieden und Freude erfüllen mich.

Ja. Das ist tatsächlich meine Karte. Nur wenn wir klar sehen, ist unser Leben wirklich schön. Und wie ich so darüber nachdenke, merke ich, dass bereits 2025 unbewusst unter diesem Motto stand. In diesem nun alten Jahr habe ich ein Jahrestraining absolviert, Familienaufstellungen besucht, bin gesundheitliche Themen angegangen, habe mich weitergebildet, gelernt, ausprobiert immer im Hinblick darauf „was kann weg, was darf bleiben?“. Und nun in den letzten Monaten ging es weiter – die Zimmer unserer Wohnung wurden neu verteilt, der Boden erneuert, ein großes Regal gebaut. Alles, wirklich alles, musste in die Hand genommen, bewertet und sortiert werden. Insgesamt 33 Kilo Kleidung gingen am Ende über eine Nachbarin als Hilfslieferung nach Moldawien, kaputte Möbel kamen endlich auf den Sperrmüll, viele Bücher haben neue Besitzer gefunden.

2025 hat einen Prozess angestoßen, der sich 2026 fortsetzen darf, diesmal im vollen Bewusstsein: Putzen tut mir gut! Es ist befreiend, Ballast loszuwerden, egal ob es sich um materiellen, körperlichen oder seelischen Ballast handelt.

Das Mudra zu halten fühlt sich sehr entspannend an – mit der rechten Hand den linken kleinen Finger umschließen, der Daumen drückt auf die Handwurzel. Daumen und Zeigefinger der linken Hand berühren sich.

Wie ich dieses Motto mit Leben füllen werde

Ich nutze dieses Motto nicht, um zur Putzfee zu werden. Ich bestaune Menschen, die wirklich aus Freude putzen, die alle Tricks und Kniffe kennen, mit denen sich jeder Fleck entfernen lässt, bei denen es keine Kruschtelschublade mit Gummibändern, Imbusschlüsseln, Streichholzschachteln, Zetteln und Kulis gibt. Aber das ist nicht mein Ziel. Für mich liegt der Gewinn dieses Mottos in Folgendem:

Fokus halten – eins nach dem anderen!

  • Ich lasse mich leicht ablenken. Wenn ich keine To-Do-Liste oder sonst einen Plan habe komme ich schnell vom hundertsten ins tausendste. Doomscrolling kenne ich genau so wie nicht enden wollende Recherchen, wenn das Handy bimmelt schaue ich drauf und nach der gelesenen Mail will dann auch noch auf eine Sprachnachricht reagiert werden…. Für dieses Jahr sind auf meinem Telefon alle Benachrichtigungen aus, alle Social Media Apps deinstalliert. Es gibt keine Spiele, keine Filme, kein Onlineshopping über das Smartphone. Alles Überflüssige ist vom Startbildschirm verschwunden, findet sich nur in Ordnern sortiert und ist mit Zeitlimits versehen. Denn ja, manchmal will ich einfach nur ein lustiges Katzenvideo sehen. Aber eben nicht – hoppla! – eine Stunde lang, sondern maximal 20 Minuten am Tag. Ich bin sogar soweit gegangen, dass ich mir eine Fokus-App hochgeladen habe: jetzt strickt eine kleine Bohne Socken, solange ich eine Handypause mache (und verliert Maschen, wenn ich mich nicht daran halte). Für bestimmte Aufgaben nutze ich einen Timer (eine echte Eieruhr) – wenn ich z.B. Dinge erledigen muss, die auch schnell ausufern können, setze ich mir so ein Zeitlimit. Das führt für mich dazu, dass ich mich beeile und dann aber auch wirklich aufhöre.

Planen – wann mache ich was wie?

  • Schon seit vielen Jahren nehme ich mir zu Silvester Zeit, mich auf das neue Jahr auszurichten. Ich überlege, was ich mir wünsche, was ich unternehmen, lernen und tun will. Ohne Plan wird allerdings selten etwas daraus. Ich will z.B. gerne bis zum Ende des Jahres wenigstens einen Klimmzug schaffen. Momentan – ein bisschen peinlich – schaffe ich es gerade einmal, 30 Sek. an der Stange zu hängen. Ich brauche einen Plan, um von A nach B zu kommen, dazu gehören überprüfbare Zwischenziele. Für Januar und Februar ist der Plan, täglich mindestens zwei Mal an die Klimmzugstange zu gehen und meine Zeit von 30 auf 60 Sekunden zu verbessern. Wie realistisch dieses Ziel ist kann ich Ende Februar überprüfen und dann entsprechend kleinere, größere oder andere Zwischenziele setzen, um am Ende des Jahres wirklich meinen ersten Klimmzug hinzubekommen. Ich will auch andere Dinge schaffen: Zwei Blogbeiträge im Monat, einen Newsletter aufsetzen, eine Gruppe aufbauen, Aquarellmalen, wieder mehr Briefe schreiben und Telefonate führen, öfter spazieren laufen… all diese Dinge werden nicht passieren, wenn ich sie mir nur wünsche und mir keinen Plan mache, wie ich sie erreichen soll. Eine nützliche Hilfe ist mein (Papier)Kalender, hier gibt es Möglichkeiten, Ziele zu formulieren, zu planen und zu überprüfen.

Dran bleiben – jeden Tag ein bisschen statt überfordender Großkampftage

  • Aus Erfahrung weiß ich, dass die Schritte, um ein Ziel erreichen zu können, für mich klein, machbar und regelmäßig sein müssen. In meiner Jahresplanung beginnen nicht alle Projekte im Januar, ich will auch nicht mein ganzes Leben von heute auf morgen umkrempeln. Jeder Monat bekommt einen bestimmten Fokus. Ich will mich nicht selbst überfordern und dann aufgeben. Der Januar ist z.B. überschaubar – bis auf das Schreiben und Hängen muss diesen Monat noch gar nichts geschehen. Aber das, was ich diesen Monat beginne, soll nicht im Februar oder März schon vergessen sein. Ich bewege mich im Rahmen meiner Kapazität und erlaube mir mein für mich machbares Tempo.

Hilfe annehmen – gemeinsam geht es leichter

  • Ich muss nicht alles alleine schaffen. Ich habe schon mit Anfang zwanzig nebenberuflich selbständig gearbeitet und mich jahrelang vor der Steuererklärung gefürchtet. Es kamen Mahnungen und Fristsetzungen vom Finanzamt und – damals ging das noch – ich musste Termine machen und mich erklären und um Aufschub bitten. Das hat so viele Nerven und so viel Zeit und Kraft gekostet. Und dann habe ich Silvia vom Lohnsteuerhilfeverein gefunden. Sie hat mein damaliges Buchhaltungchaos in Ordnung gebracht und mit ihrer Hilfe konnte ich wieder ruhig schlafen. Für mich war das eine einschneidende Erfahrung. Ich gebe seit dem wirklich gerne Geld aus, wenn es mein Leben leichter macht. Heute heißt das vor allem: Hilfe bei der Technik. Dieses Jahr will ich eine Anmeldemöglichkeit für meinen Newsletter auf die Webseite integrieren. Und bevor ich mir das nun mühsam selbst zurechtstopple, habe ich mir jemanden gesucht, der mir erklärt wie es geht. Ich suche aber auch Unterstützung bei anderen Themen. Manchmal ist es das Gespräch mit der Freundin, das die nötige Klarheit bringt, manchmal braucht es Hilfe durch Supervision oder Coaching.

Meditieren – staubwischen in meinem Kopf

  • Ich meditiere seit vielen Jahren. Mir hilft das, mich mit mir zu verbinden, es schafft einen Ort der Ruhe in mir, von dem ich agieren kann. Regelmäßiges Meditieren klärt mich, lässt mich mich innerlich aufgeräumt fühlen. In diesem Jahr darf Meditation wieder mehr Raum einnehmen, ganz in diesem Bewusstsein meines Mottos.

Bei mir bleiben

  • Meine Grenzen anerkennen – auch das bringt Klarheit. Ich brauche Pausen während des Tages, aber auch in der Woche oder im Jahr. Das ist zwar eine simple Wahrheit, die wohl für die meisten Menschen gilt, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich gelernt habe, auch dementsprechend zu leben. Der Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe hat seinen eigenen Rhythmus, ist auch tages- und jahreszeitenabhänging. Für dieses Jahr, will ich ihm mehr Bedeutung beimessen. Ich wünsche mir die bewusste Pause dabei genau so wie das absichtsvolle, bewusste Handen. Ich will selbst gestalten und mich nicht treiben lassen nach dem Gestaltungswillen anderer. Dafür braucht es eine gewisse Wachheit und da bin ich wieder bei den Plänen und Zielen. Ich schätze, mein Kalender wird dieses Jahr mein treuer Begleiter.

Auf der Karte steht noch etwas: klären und vergeben. Das mit der Vergebung habe ich hier großzügig weggelassen, denn zu dem Thema habe ich doch ein paar Gedanken, die einen eigenen Beitrag wert sind. Sobald ich ihn geschrieben habe, wird er hier verlinkt.

Bis dahin starte ich nun mein neues Jahr ganz im Bewusstsein, dass es leichter, freier, klarer sein darf.

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